Politik, Technik, Wirtschaft und Finanzen

Meine kritischen Ansichten zu Politik, Technologie, Wirtschaft und Finanzmärkten

Ist es 2007 oder 1987?

Was an der Börsen die letzten Tage passiert ist, erinnert mich sehr an 1987. Auch damals gab es Verwerfungen im internationalen Finanzgefüge, doch die Börsen kletterten munter weiter. Es wurde ein neues Allzeithoch im August 1987 erreicht, die Stimmung war gut. Dann korrigierte die Börse um 10% bis zum 17.September, Tags darauf stieg der Dow Jones Index wieder stark an. Auch 1987 waren die Zinsen im Laufe des Jahres angestiegen und belasteten die Märkte. Immer wenn der Dollar gegenüber den Yen aufwertete, stiegen die Märkte, genau wie 2007. Doch jetzt belastet der steigende Yen die Märkte, die Kreditkrise macht es nötig die Yen Carry Trades aufzulösen, das über Jahre zu niedrigst-Zinsen in Japan geliehene Geld, das überall in der Welt angelegt wurde wird nach Japan zurücktransferiert.

 

Auch 2007 steigen die Märkte bei einem fallenden Yen/Dollar Kurs und fallen, wenn der Yen aufwertet. Allerdings sind diese Wechselkursspannungen 2007 wesentlich größer und heftiger als 1987. Der Dow Jones ist um 12% gefallen, bis die Notenbank die Notbremse zog und eine Notzinssenkung zur Stabilisierung der Märkte zu erlangen.

Und dann ist da zusätzlich noch das Carry Trade Problem. Charttechnisch gesehen hat das USD-Yen Verhältnis seine 2,5 jährige Bearkeil Formation mustergültig nach unten verlassen und wird weiter abwerten, der Yen also aufwerten. Ziel ist etwa der 105er Bereich.

Die durch die Notzinssenkung erreichte Stabilisierung wird auch noch einige Tage gut gehen, doch sobald die Märkte verstehen werden, dass sich in den USA ein wirtschaftlicher Abschwung neben der Kreditkrise entwickeln wird, werden weitere Yen Carry Trades aufgelöst werden. Dann wollen aber alle gleichzeitig durch diese Tür, also die Assets in Dollar verkaufen und zurück in den Yen transferieren. Zusätzlich werden die Ausmaße der Kreditkrise deutlich werden, bis Mitte 2008 werden erst die meisten der wackeligen Kredite ausfallen, die Versteigerungen von Häusern in den USA erst Ihren Höhepunkt haben. Bis dahin ist es ein langer Weg. Die Börse wird das vorausahnen, nach ersten schlechten Daten wird man verkaufen wollen, um einem Abschwung nicht mitzumachen. Aber zu diesem Zeitpunkt, ca. in der Woche vom 10.09.2007 an, könnte es eng werden an den Börsen. Wenn auch nur ein größerer Hedgefonds wegen der Kreditkrise in Zahlungunfähigkeit gerät und insolvent wird, kann das eine Kettenreaktion wie 1987 auslösen, vielleicht sogar schlimmer. Nach den Verlusten dieser Woche werden die Investoren sehr nervös reagieren und nicht noch einmal Verluste erleiden wollen.

Was passiert, wenn alle gleichzeitig durch eine Tür wollen, sieht man auf dem nachfolgenden Chart, der nur zwei Monate von 1987 mehr umfasst…

Man wird sehen, was 2007 passiert.

Der Beginn der Vertrauens- und Finanzkrise

Da ist sie also, die erste “kleinere” Finanzkrise, die aus meiner Sicht aber auf das kommende hinweist. Zu lange wurde an den Märkten das Risiko ignoriert, das von überhitzten, mit billigem Geld aufgeblähten Immobilienmärkten ausgeht. In den USA laufen diese Verwerfungen jetzt schon seit dem Ende des Technologieaktienbooms und der ersten Börsenkrise 2000 bis 2003. Mit allen Mitteln wurde und wird versucht, den Konsum der Verbraucher aufrechtzuerhalten, um den wirtschaftlichen Abschwung zu verhindern. Doch wenn eine kleine Krise verhindert wird, indem die Ursachen dieser Krise verlagert und nicht beseitigt wird, kommt irgendwann einmal ein Punkt, an dem sich nichts mehr vertuschen lässt. Dieser Punkt beginnt in dem Moment, wenn das Vertrauen der Akteure am Finanzmarkt in das System nicht mehr gegeben ist. Dieser Zeitpunkt ist seit dieser Woche erreicht!!!

Die in immer geschickter verpackten, immer undurchschaubareren Produkten wie Asset Backed Security (ABS), Residential Mortgage Backed Security (RMBS), Commercial Mortgage Backed Security (CMBS), Collateralized Loan Obligation (CLO) oder Collateralized Debt Obligation (CDO) verkauften Kreditrisiken, wurden von den Ratingagenturen mit guten Ratings bewertet. Wie John Mauldin auf http://www.safehaven.com/article-8214.htm beschreibt, wohl auch aufgrund der Tatsachen, dass die Ratingagenturen daran prächtig verdienten. Damit haben Sie allerdings das in Sie gesetzte Vertrauen missbraucht. So etwas lässt sich nicht einfach wieder Rückgängig machen und wird den Anfang einer Systemkrise einläuten. Wenn man mit AAA gerateten Produkten nicht trauen kann, was dann? Und wie kann es sein, dass AAA geratete Produkte in kurzer Zeit zum Ausfallrisiko werden? Wie konnten diese Produkte überhaupt AAA geratet werden?

Ohne eine vernünftige, verlässliche Risikobewertung durch Ratingagenturen ist es aber unmöglich für die Banken Kredite zu vergeben und dabei eine vernünftige Risikoeinschätzung und -Vorsorge zu treffen. Die Kreditvergabe wird darunter extrem leiden und so auch die Realwirtschaft beeinflussen. Über das nachlassende Wirtschaftswachstum werden die Firmen dann wieder weniger Kredite zurückzahlen können und Leute entlassen. Diese Arbeitslosen werden dann ihre Hypotheken nicht mehr zurückzahlen können, dann werden weitere Kredite platzen und so weiter und so weiter. Diese gefährliche Spirale wurde diese Woche in Gang gesetzt. Daran werden auch Zinssenkungen der Notenbanken so schnell nichts ändern. Nun kann man sagen, solche Krisen hat es öfters gegeben und die Märkte sind weiter gestiegen. Aber eben nur deshalb, weil es keine Vertrauenskrise gab, diese ist aber jetzt im Gange. Viele werden in den nächsten Tagen fragen, wenn schon die Notenbank FED eine Notzinssenkung durchführen muss, wie schlimm steht es dann wirklich um die Finanzmärkte und dummerweise kann man das ja nicht verlässlich sagen, denn auf ein triple A Rating kann man nichts mehr geben….

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